Tingatinga
– ursprünglich "nur" ein Nachname, heute die wohl bedeutendste
Kunstrichtung Tansanias. Unter dem Überbegriff Tingatinga hat sich heute
eine Fülle von überaus interessanten Malstilen entwickelt.
Doch wie hat die ganze Geschichte angefangen? Edward Saidi Tingatinga lebte in Tansania und begann in den späten sechziger Jahren in Dar es Salaam zu malen. Seine Gemälde werden meist von der Darstellung eines formatfüllenden Wildtieres bestimmt und sind sehr farbenfroh. Einige werden wohl sagen, dass es sich bei seinen Werken um naive Kunst handelt, die nur in Kinderzimmer passt, aber schon früh wurde das Potential Tingatingas von schwedischen Entwicklungshelfern erkannt. Tingatinga malte meist auf Faserplatte (Masonite). Wurden diese Faserplatten geteilt, ergab sich der von Tingatinga bevorzugte quadratische Malgrund - so entstand die Bezeichnung Quadratmalerei. Seine Werke wurden zum Beispiel in der New Yorker Auktionshalle Sotheby´s versteigert und man sagt, dass der berühmte Keith Haring seine Inspiration in diesen Bildern fand. Schon sehr früh begann der noch heute aktive Maler Omari Amonde mit Tingatinga zu arbeiten. Tingatinga selbst wurde 1972 von der Polizei, scheinbar versehentlich oder auf einer Verwechslung basierend, erschossen. Die tansanische Kunstform Tingatinga war zu diesem Zeitpunkt aber erst so richtig lebendig geworden... Eine sehr interessante Deutung der Kunst Tingatingas finden Sie auf der Seite "edition-d"
Die ersten Bilder (aus den 70-ern des 20.Jahrhunderts) stellten das einzelne Tier vor einem einfachen Hintergrund dar. Heutzutage malen auf diese Art und Weise nur noch wenige Künstler. Einer von ihnen ist der Sohn Edward S. Tingatingas – Daudi Tingatinga (der Löwe unten rechts ist eines seiner Werke). Mkura und Omari Amonde sind Maler, die zur ersten Generation der Tingatinga-Maler gehören und sie malen noch immer im alten einfachen Stil. Weitere Künstler, in deren Bildern man u.a. diesen ursprünglichen Typ finden kann, sind Becker Wasia, Saidi Chilamboni (Leopard unten links), Mwamedi Chiwaya und weitere.
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Eine einfache Darstellung der Giraffe ist ein neues Motiv, das durch die Bilder aus den siebzigern des 20. Jahrhunderts inspiriert wurde. Ihr Autor ist Shabani Mkarekwa, aber dieses Motiv findet man auch in den Kunstwerken von Jabili Masoud oder Becker Wasia. Der Autor des Elefanten unten rechts ist Amonde Omari.
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Später kamen manche Maler mit der Idee, oberhalb des dargestellten Tieres das Motiv von Blumen und Vögeln hinzuzufügen. Er was nichts für die „alte Schule“, aber junge Maler begannen ihren eigenen Stil zu entwickeln. Für solche Leute ist es nicht nur ein Vergnügen, sondern auch der einzige Verdienst. Sie malen etwa ein Bild pro Woche. Falls sie es schaffen, mehrere Bilder zu verkaufen, arbeiten die ärmeren auch in der Nacht. Zu den besten Malern dieser neuen Generation zählen Saidi Omari, Ibrahim Omary, Zuberi Daimu, Mwamedi Chiwaya, Iddi oder Rubuni und A.Hasani (Autoren der Bilder - siehe unten). Jeder von ihnen verleiht seinen Bildern etwas persönliches und obwohl es sich immer um den Tingatinga-Stil handelt, kann ein erfrahrenes Auge erkennen, wer welches Bild gemalt hat.
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Saidi Omary hat immer wieder neue Ideen und überrascht durch seine witzige Darstellung der typischen Tingatinga-Motive. Auf eine gewaltlose Art und Weise füllt er den Fläche des Bildes und kombiniert bravurös lustige Farben. Er ist ein Mensch mit viel Sinn für Humor, der sich nie aus der Ruhe bringen lässt. Sein sehr sauberer und detailreicher Stil ist unverwechselbar.
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Auf den ersten Blick sehen Tingatinga-Gemälde manchmal wie ein grosses Chaos aus! Nach einer näheren Untersuchung stellt man aber fest, daß sich manche Maler vielleicht nur auf die Darstellung eines Tieres spezialisieren. Kambili und Gayo Peter (Bild unten links) malen z.B. wunderschöne Variationen von Schmetterlings-Sträuchern. Mwamedi Chiwaya ließ sich von diesen Gemälden motivieren und meinte: „Schmetterlinge schaffe ich auch!“ – seine Interpretation sehen Sie rechts.
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Mbwana Sudi ist der Maler der blauen Fische und Rubuni überraschte durch die Flut von Fischen im roten Feld!
Yuba Mawazo und Zaburi sind „Spezialisten“ für Vogelmotive – Pelikane, Pfauhähne, Krähen und deren imaginäre Gefieder. Das muss aber nicht heißen, daß sie nur Vögel malen. Es kann passieren, dass sich ein Maler plötzlich auf neue Motive einschießt - z.B. nach dem Tag, an dem eine Gruppe von Koreanern vorbeikam und alle Gemälde mit Löwenmotiv aufkaufte. Die Maler der Bilder mit den Vögeln sind Chiwaya und S.Omari.
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Mwamedi Chiwaya ist ein junger talentierter Maler, der trotz seiner grossen „Produktion“ von Bildern immer sehr schöne Werke in sehr guter Qualität malt. Ein Beispiel – siehe das Bild unten.
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Auf den Menschen darstellenden Bildern, sind meist Dorfszenen, Krankenhäuser und Schamanen gemalt. Aber gehen wir es der Reihe nach an! Traditionelles Dorfsleben wird durch Noel Kapanda, Mkumba, Kalembo (Bild unten) und weitere Künstler dargestellt.
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Die Schöpfer der Gemälde mit Markt- und Dorfszene, sind Mitole und Mkumba. Beide zählen zu den sehr gut etablierten Malern.
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Ein weiterer Maler von Bildern mit Dorfmotivem ist Mohamed Charinda. „Der Spezialist“ für Krankenhäuser ist der bekannte Maurus Malikita.
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Afrikanisches Stadtgewimmel mit all seinen Facetten kann man auf den Bildern von Kateng, Mr. Seye, Kalembo, Anthony Jonas (siehe Bild unten) erforschen.
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Haben Sie schon von den „Shetani“ gehört? Dieses Wort aus dem Suaheli könnte man als „Teufelchen“ oder „Erdgeist“ übersetzen. Der Shetani gehört zur afrikanischen Mythologie. Auch heutzutage glauben viele Leute in Afrika an diese Geister, haben Angst vor ihnen, oder ganz im Gegenteil - sie vertrauen ihnen ihre Wünsche und Hoffnungen an. Bekennen würden es aber sehr wenige! Ein echter Meister in der Darstellung dieser Geister war George Lilanga. Er ist ein weltbekannter Schöpfer von Statuen und Bildern. Seine Kunstwerke wurden in vielen bedeutenden Galerien der westlichen Welt ausgestellt – Paris, London, Rom... Aber nicht alle Werke mit der „Lilanga“-Signatur stammen von George. Die westliche Welt lehnt ab, was in Afrika durchaus üblich ist – dem Malen oder Schnitzen eines Künstlers schliesst sich ein Teil der Familie an. Mehr über dieses Thema finden Sie unter www.lilanga.org
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Der weltbekannte George Lilanga arbeitete im Cultural House (in Dar es Salaam), gehörte nie zu den Tingatinga-Malern, hatte aber Kameradschaft mit einer Reihe dieser Künstlern. Lilanga erlaubte dem Maler namens Mchisa Thabili seine Shetani-Motive zu nutzen und selst in diesem Stil zu arbeiten. Dieser wiederum erlaubte es wieder einem anderen Künstler namens Jaribuni Hasani. Somit hat sich der Stil von George Lilanga auch ausserhalb der Familie verbreitet. Auch Mchisa ist mittlerweile verstorben.
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Bei der Aufzählung von die Menschen darstellenden Bildern sollen wir nicht den Maler Sayuki vergessen. Sayuki Matindiko ist vom gleichen Stamm wie Lilanga – er ist Makonde. Er hat sich durch George Lilanga inspirieren lassen und fand seinen eigenen Stil. Er malt aber keine mythischen Wesen, seine Motive basieren auf gewöhnlichem Leben (Reise zum Markt, Weibertratsch, geselliges Biertrinken usw.).
In Tansania gibt es zur Zeit einige hunderte Maler, die sich zum Tingatinga-Stil bekennen. Vieleicht einhundert von ihnen sind wirklich gute Künstler. Es gibt aber auch interessante Künstler, die im Tingatinga-Zentrum anfingen, und später ihren eigenen, ganz anderen, Stil fanden. Einer von diesen ist David Mzuguno. Seine floralen Gemälde stellen ein Highlight der tansanischen Kunst dar.
Aus der Tingatinga-Malerfamilie stammen auch zwei grosse Künstler – Damian Msagula und John Kilaka. John ist nicht nur ein grossartiger Maler, sondern auch ein brillanter Erzähler und Illustrator von Märchenbüchern. Falls Sie mehr über ihn erfahren wollen – siehe www.kilaka.com.
Was passiert, wenn sich Maler vom Tingatinga-Hauptstrom trennten? Bedeutet das, dass sie keinen eigenen Stil entwickeln konnten? Die Antwort lautet nein, sie konnten es! Eine der wichtigsten Gruppen sind die Maler in Makumbusho Village. Sehen Sie sich bitte die Bilder von Nangida Masawe und Emanuel Jeremiah an.
Die Bilder von Ally Omary, Job Luandala oder Lewis Steven würde man schon auf den ersten Blick nicht zum Tingatinga-Stil eingliedern. Diese Maler experimentieren mit den verschiedensten Tiermotiven. Lewis (Bilder siehe unten) hat die Nutzung vorhandener Leinwandfläche bei seinen Bildern auf die Spitze getrieben!
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Tingatinga weltweit - Deutschland - Tingatinga Studio Tansania

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